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Sportfest: Spaß am Sport ist auch mit Handicap möglich

Rund 200 Teilnehmer aus Unterfranken trafen sich zum Bezirkssportfest des BVS Bayern in der Saaletalhalle.

 

Agnes Rüthel ist 76 Jahre alt und wurde bereits viermal an der Bandscheibe operiert. Davon vollkommen unbeeindruckt steht die Seniorin aus Gramschatz in der Hammelburger Saaletalhalle und schwingt einen Hockeyschläger. In ein paar Metern Entfernung liegt eine Bank auf dem Boden. Je besser Agnes Rüthel in die Mitte trifft, umso mehr Punkte erhält sie. Sie lacht, weil sie erst zum zweiten Mal in ihrem Leben einen Hockeyschläger in den Händen hält.

"Es geht nicht um die Leistung", sagt Barbara Beckmann, unterfränkische Bezirksvorsitzende des BVS Bayern, während sie das Geschehen beobachtet. "Es geht darum, dass jeder irgendetwas machen kann", merkt sie weiter an.

Unter den lautstarken und energischen Anfeuerungsrufen von Vereinskameradin Anita Sauer schlägt Agnes Rüthel beherzt zu und trifft. 23 von 30 möglichen Punkten. Erst noch etwas überrascht, lässt sie sich von der guten Laune ihrer Freundin anstecken und streckt jubelnd den Schläger in die Luft. "Das ist super, obwohl man nicht alles kann", sagt sie über das Bezirkssportfest des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes Bayern, das zum zehnten Mal in Hammelburg ausgetragen wird.

 

200 Sportler mit Handicap aus ganz Unterfranken sind dazu in die Saaletalhalle gekommen. In der Halle sind verschiedene Stationen aufgebaut, die die Sportler durchlaufen. Zielhockey gibt es sowie Ziel- und Dosenwerfen, blind gehen oder Basketballkörbe werfen. Wem die Lust nicht nach Geschicklichkeitsspielen ist, wandert draußen ein paar Kilometer durch das nebelverhangene Hammelburg. Das Angebot sei bewusst breitgefächert. "Das passt dann für alle", meint Barbara Beckmann.

Nachmittags werden Workshops angeboten, im Nordic Walking beispielsweise oder im Hallenboccia. Auch für den Behinderten- und Rehasport sei Abwechslung wichtig, wie Beckmann schildert: "Die Leute sollen sehen, es gibt noch etwas anderes als Wassergymnastik oder Wandern." Sie hofft, dass sich neue Sportarten in den Vereinen etablieren, weil traditionelle Versehrtensportarten wie Sitzball oder Fußballtennis regelmäßig mit Nachwuchsschwierigkeiten kämpfen.

Ein Großteil der 200 Teilnehmer sind Senioren, viele haben nach Operationen - etwa nachdem sie neue Gelenke eingesetzt bekamen - mit Reha- und Behindertensport angefangen. Beckmann ist es, wie sie sagt, generell wichtig, dass der Spaß am Sport und in der Gemeinschaft im Vordergrund steht. "Die Leute sollen sagen: Jawohl, heute ist Training, da freue ich mich drauf", wünscht sie sich. Das Bezirkssportfest sei deshalb breiten- und nicht leistungsorientiert. "Inklusion heißt, dass sich die Gesellschaft an die Behinderten anpasst und nicht umgekehrt. Bei uns sind alle willkommen", betont sie.

 

Vielen Dank der Saale-Zeitung und dem Online-Portal infranken.de für die Bereitstellung des Artikels

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